Luftlandung in Arnheim 1944
Operation Market Garden
Die Brücke von Arnheim

Die Brücke von Arnheim in einer zeitgenössischen Darstellung.

Am 17.9.44 sprangen rund 9.000 Mann britische und polnische Fallschirmjäger zwischen Eindhoven, Nimwegen und Arnheim ab, um die Übergänge über den Niederrhein zu sichern und dadurch einen schnellen Vorstoss nach Nordwestdeutschland und dem Ruhrgebiet zu gewinnen. Diese kühne und äusserst waghalsige Operation war von Montgomery gegen den Rat anderer Kommandeure angeordnet worden, um vor dem Winter 1944 den Krieg mit einem einzigen Schlag zu beenden.

Zu diesem Zeitpunkt wurde kein organisierter Widerstand der Deutschen mehr erwartet und die Alliierten rechneten mit dem Kriegsende im Dezember 1944. Die deutsche Armee sei keine zusammenhängende Streitmacht mehr, sondern bestünde nur noch aus versprengten, desorganisierten und sogar demoralisierten Truppen, denen es an Waffen und Gerät fehlt.

Ziel der alliierten Luftlandeoperation
Das wichtigste Ziel der Operation Market Garden bestand in der Errichtung eines Brückenkopfes auf dem jenseitigen Rheinufer, um dadurch die Ausgangsbasis für künftige, gegen das Ruhrgebiet gerichtete Operationen der Alliierten zu schaffen. Dadurch erwartete man drei wesentliche Vorteile:

  1. Abriegelung der in Westholland verbliebenen Teile der 15. Armee von der Landseite her;
  2. Umgehung der Westwall-Befestigungen;
  3. Schaffung der Voraussetzungen für einen entscheidenden Grossangriff durch die norddeutsche Tiefebene in das Zentrum des Ruhrgebietes, um dadurch den Krieg zu verkürzen.

Luflandeoperation “Market”:

  1. Absprung von 3 1/2 Luftlandedivisionen im Raum Grave, Nimwegen und Arnheim zur Einnahme der Brücken über mehrere Kanäle sowie über die Maas, den Waal und den Niederrhein;
  2. Öffnung einer Schneise von mehr als 70km Länge von Eindhoven nach Norden;
  3. Unterstützung einer luftverlastbaren Division.

Bodenoperation “Garden”:

  1. Vorstoss von Teilen der 2. (brit.) Armee von der niederl.-belg. Grenze bis an die Zuidersee (Ijsselmeer): 145 km;
  2. Ausbrechen des brit. XXX. Korps aus dem Neerpelt-Brückenkopf am Maas-Schelde-Kanal (südl. Eindhoven)
  3. Flankierende Entlastungsangriffe durch das brit. VIII. und das brit. XII. Korps.

Die zur Unterstützung der Luftlandeeinheiten eingesetzten Spitzen der 2. brit. Armee konnten jedoch nicht rechtzeitig aufschliessen, die brit. Garde-Panzer-Division, die die Verbindung mit den Luftlandetruppen herstellen sollte, blieb im Raum Eindhoven stecken, und der Luftlandeangriff traf mitten in das II. SS Panzerkorps unter SS-Obergruppenführer  Bittrich, das mit den Divisionen „Hohenstauffen“ und „Frundsberg“ in diesem Raum zur Auffrischung lag. So wurden die britischen Luftlandetruppen bei Arnheim abgeschnitten und unter schwerem Artillerie- und Werferfeuer auf engstem Raum zusammengedrängt. Auch die polnische Fallschirmbrigade, die am Südufer des Niederrheins zwischen Arnheim und Nimwegen abgesprungen war, hatte das gleiche Schicksal.

Die Waffen-SS schlug dabei die ritterlichste Schlacht in ihrer Geschichte. Ganz entgegen der Befürchtungen der Briten, erfuhren die 2.200 britischen Verwundeten auf Initiative des Divisionsarztes Dr. Skalka hervorragende medizinische Versorgung durch die Sanitäter der Divisionen “Hohenstauffen” und “Frundsberg”.

Am 25.9.44 befahlen Eisenhower und Montgomery, das Unternehmen abzubrechen; nur 2.500 Mann schlugen sich wieder zu den britischen Linien durch. Die Schlacht von Arnheim war der erste deutsche Sieg nach langer Zeit. Dieser Sieg wurde im wesentlichen ermöglicht durch die Fähigkeit auf deutscher Seite, in kürzester Zeit mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den Widerstand zu organisieren und zu improvisieren. Hitler wurde durch diese Niederlage der Alliierten in seinem Selbstvertrauen gestärkt, dass er die Ardennenoffensive für das Jahr 1944 vorbereitete, die nach anfänglichen Erfolgen mit einem einem schweren Rückschlag enden sollte.

Verluste 17. - 26.9.44
Deutsche Gefallene und Verwundete:

Alliierte:

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen