

In Arromanches befinden sich die Überreste des dort im Juni 1944 errichteten künstlichen Hafens. Noch heute ragen die Reste sog. Phoenix-Caissons (geflutete, auf Grund gesetzte riesige Betonkästen) einige hundert Meter vor der Küste als Wellenbrecher sowie die Rampen von schwimmenden Fahrdämmen zur Entladung von Transportschiffen als stumme Zeugen aus der See.
Der Erfolg der Landungsoperation sowie der gesamte weitere Verlauf der Operationen war sehr stark abhängig von der Heranführung von Verstärkungen und Nachschub (Kraftstoff, Munition, Lebensmittel), die unabhängig vom Tidenhub sichergestellt werden musste.
Das Museum in Arromanches gibt eine sehr guten Einblick in diese möglicherweise größte militärische Ingenieurbauleistung der Weltgeschichte. Die hierzu gezeigten Grossmodelle geben detaillierten Einblick in die Konstruktion, Technik und das Ausmass der Originalanlagen. Sie sind beweglich ausgebildet und ahmen selbst die Bewegung der Gezeiten nach.
Der Bau in England von massiven, grossdimensionierten Mulberry Komponenten, deren Tarnung und Abschirmung gegenüber dem deutschen Geheimdienst, deren Transport über den Kanal hinweg bis zu den Landungsstränden einschliesslich deren schwierige Positionierung vor Ortunterstreichen die wichtige Rolle und Bedeutung für die alliierte Invasion in der Normandie.
Ausgelegt für einen Umschlag von 6.000 Tonnen Fracht pro Tag ab dem 20.6.44 übertraf der Mulberry Hafen in Arromanches diese Vorgaben und erlaubte die Anlandung von über 6.750 Tonnen im Mittel in mehr als drei Monaten. Dies entspricht 48% der auf britischer Seite umgeschlagenen Gütermenge. Mit Ende der zweiten Augustwoche hatten mehr als 10.000 Fahrzeuge die Kaianlagen von Arromanches passiert (55% der angelandeten britischen Fahrzeuge). Des weiteren wurden 120.000 Mann am Festland abgesetzt.
Oberhalb des Hafenbereichs auf dem Hochplateau sind noch heute die Reste einiger deutschen Bunkerbefestigungen zu sehen, die diesen Strandabschnitt verteidigen sollten. Von hier hat man einen exzellenten Ausblick auf Arromanches, den Küstenstreifen und das vorgelagerte Meer.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Arbeitskreis Militärhistorie, RK Ratingen

