Fort Battice


Eine unbedeutende Festung?

Spricht man über belgische Forts aus dem Zweiten Weltkrieg, denkt man zunächst an Eben Emael. Dieses Fort war aber keineswegs die stärkste und modernste Befestigungsanlage. Während Eben Emael Anfang der dreißiger Jahre erbaut wurde, um die belgische Ostgrenze ein für allemal abzusichern, flossen in den Bau der Festung Battice alle Erfahrungen aus Eben Emael mit ein.

Um sich mit diesem Kapitel der Kriegsgeschichte zu befassen, unternahmen 11 Mitglieder der RK Ratingen am 24.7.1999 im Rahmen einer militärhistorischen Weiterbildung eine Fahrt zur Festung Battice auf dem Herver Plateau in Belgien. Frühmorgens ging es mit mehreren PKWs von Ratingen aus über Aachen auf der Autobahn E40 bis Abfahrt Battice und dann in der kleinen Ortschaft Battice zum alten Fort, strategisch günstig in 334m Höhe gelegen.

Wer erwartet, ein altmodisches Festungswerk zu sehen, wird eines besseren belehrt. Fort Battice wurde 1934 bis 1937 erbaut und war Teil der Befestigten Stellung Lüttich. Belgien wollte nicht noch einmal eine böse Überraschung wie 1914 erleben, als deutsche Truppen nach der Kriegserklärung an Frankreich gemäß dem Schlieffen Plan ohne Kriegserklärung Belgien überfielen, um durch dieses kleine Land in den Norden Frankreichs einzudringen. Damals hatte man den Angreifern nichts als Mut der Verzweiflung entgegenzusetzen. Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss man, einem eventuellen erneuten Angriff des deutschen Nachbarn ein System von Festungsbauwerken im Raum Lüttich entgegenzusetzen.

Auf den ersten Blick erschien das Fort bei der Ankunft aus ein paar beschädigten überirdisch sichtbaren Bunkern zu bestehen und das Staunen war groß, als es sich als Spitze eines Eisbergs darstellte. Unter den insgesamt 15 Kampfblocks besitzt das Fort in etwa 30m Tiefe ein ausgedehntes Hohlgangsystem von über 6 km Länge mit Munitionslagern, Maschinenräumen, Befehlsstand, Mannschaftsunterkünften für über 700 Mann Besatzung sowie umfangreichen Versorgungseinrichtungen. Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, als sie die bis ins kleinste Details ausgeklügelte Festungsanlage besichtigten. Unter fachkundiger Führung gewannen sie einen Überblick über den Aufbau, die Organisation und Funktionsweise eines solchen Bauwerks der Superlative.

Obwohl Eben Emael durch die spektakuläre Eroberung durch deutsche Luftlande- und Fallschirmjägereinheiten einen höheren Bekanntheitsgrad hat, zeichnet sich Fort

Battice durch ein erheblich verbesserte Verteidigungskonzept aus. Flankierende Artillerie- und Nahkampfblocks ergänzten sich derart, dass eine Einnahme durch gegnerische Truppen faktisch ausgeschlossen war. Und in der Tat widerstand Fort Battice ab dem 10. Mai 1940 heftigsten Artillerie-, Infanterie- und Luftangriffen. Die deutschen Angreifer, die ähnlich wie 1914 Frankreich über Belgien niederzuwerfen gedachten, stießen jedoch bei Battice auf erhebliche Probleme. Neuentwickelte Waffen, wie panzerbrechende schwere Fliegerbomben und effektive Hohlladungen brachten schließlich den Durchbruch. In der nun aussichtslos gewordenen Lage kapitulierte das Fort am Morgen des 22. Mai 1940 nach 12 Tagen Belagerung.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Abtei Val-Dieu besprachen die Teilnehmer die soeben gesehenen Eindrücke. Ein Besuch im privat organisierten „Remember Museum“ in Clermont, das mit liebevoll zurechtgemachten Exponaten aus der Endphase des Zweiten Weltkrieg aufwartete, rundete das Bild ab. Neben einigen US Fahrzeugen werden dort zeitgenössische Uniformen, Waffen und Ausrüstung sowie eine Reihe interessanter maßstabsgetreuer Modelle gezeigt.

Amerikanischer Soldatenfriedhof Henri Chapelle
Amerikanischer Soldatenfriedhof Henri Chapelle

Letzte Station der Tour war ein Besuch auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof bei Henri Chapelle an der Straße zwischen Lüttich und Aachen. Der etwa 23 ha umfassende Friedhof wurde im September 1944 von der 1. US Inf. Div. der 1. US Armee als Kriegsgräberstätte für 7.989 amerikanische Soldaten, von denen die meisten während der Ardennenoffensive  oder beim alliierten Vorstoß nach Deutschland hinein im Herbst und Winter 1944 fielen. In Ehrfurcht verharrten die Besucher vor einer Bronzestatue des Erzengels und dem riesigen Gräberfeld und gedachten der Opfer des Krieges auf beiden Seiten.

Interessenten für die Festung Battice wenden sich bitte direkt an die beiden Organisatoren:

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen