
Die RK Ratingen in Bückeburg
Auf Initiative vom RK-Vorsitzenden StUffz d.R. Hans-Joachim Dutschke fuhren 28 Mitglieder und Freunde der RK Ratingen am Fronleichnamfeiertag zu einem Besuch in die Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg. Die Schule befindet sich auf dem Gelände des Flughafens, den die britische Armee nach dem 2. Weltkrieg für ihre an der Porta Westfalica stationierten Truppen erbaut hat.
Der Flugplatz in Bückeburg spielte sogar in der Nachkriegsgeschichte Deutschland eine wichtige Rolle, weil von hier aus auch Transportflugzeuge - die berühmten „Rosinenbomber“ - während der Berlinblockade 1948/49 an der Versorgung der eingeschlossenen Stadt per Luftbrücke teilnahmen.
Nach der Begrüßung durch den Fluglehrer Hauptmann Mike Braun wurde den Ratingern erst einmal mit einem Video ein Überblick über Geschichte, Aufgaben und Ziele der Heeresfliegerwaffenschule gegeben. Daran anschließend gab es einen Film über den neuesten Kampfhubschrauber der Bundeswehr, den „Tiger“, ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt, das den ohnehin schon überstrapazierten Verteidigungshaushalt bei einem Stückpreis von 60 Millionen Mark und 80 bestellten Maschinen wohl sprengen wird.
Nach dieser informativen Einführung begleitete Hauptmann Braun die Besuchergruppe mit viel Witz und Elan durch einige der „heiligen Hallen“, angefangen mit dem Herzstück der Schule, dem Flugabfertigungsgebäude, wo die FS-ELO Radar/Funk-Zentrale und als erstes Highlight der mit drei Offizieren besetzte Kontrollturm besichtigt wurden. Vom Tower aus hatten die Reservisten einen großartigen Überblick über die Gesamtanlage mit der 1800 Meter langen Start- und Landebahn, den Hubschrauberübungsplätzen und den zahlreichen modernen Gebäuden einschließlich Hangars. Die Leitung des Flugbetriebes konnte so hautnah verfolgt werden.
Freude kam auf, als man sich in eine Sikorsky CH-53D setzen durfte, die, obwohl in der Kategorie mittlerer Transporthubschrauber, zur Zeit der größte Hubschrauber der Bundeswehr ist und hier seit 1972 geflogen wird. Die leistungsstarke Maschine ist mit ihren zwei Antriebsturbinen und insgesamt 8.000 PS für fünf Tonnen Traglast konzipiert und kann z.B. zwei Geländewagen oder leichte Luftlandepanzer transportieren. In den Hangars waren aus Platzgründen die faltbaren Rotorblätter angelegt.
In der nächsten Halle wurde die von Messerschmitt-Bölkow-Blohm gebauten zweisitzigen Bo 105 vorgeführt, die bei der Bundeswehr sowohl als Transport- wie auch als Panzerabwehrhubschrauber Dienst tun. Im niedrigen Kabinenhinterteil finden z.B. zwei Krankentragen Platz. Bei der ICE-Katastrophe in Eschede vor zwei Jahren waren diese Maschinen aus Bückeburg die ersten, die in pausenlosen Einsatz Verletzte in die umliegenden Krankenhäuser geflogen haben.
Nach dem Mittagessen folgte ein weiteres Highlight des Programms, nämlich der Besuch der vier Flugsimulatoren für den Standardhubschrauber Bell UH-1D, auf denen seit der Einführung 1975 schon über 130.000 Stunden Nur-Instrumentenflug geübt worden sind. Wenn man bedenkt, dass eine normale Flugstunde ca. 8000 DM kostet und eine Stunde im Simulator nur rund 1000 DM, eine riesige Kostenersparnis. Deshalb hat man auch entschieden, 12 neue Full-Mission-Simulatoren zu aufzubauen, das sind 13 Tonnen schwere Geräte inklusive Leinwand für Tag- und Nachtflugsimulationen jeder Art. Die 17 Meter hohen Hallen dafür sind auf dem Kasernengelände schon errichtet worden. Hier soll dann teilstreitkraft-übergreifend hauptsächlich der Flug im „Tiger“ geübt werden.
Hauptmann Braun war von dem regen Interesse der Ratinger Reservisten so angetan, dass er es sich nicht nehmen ließ, seine Gäste zum Abschluss des Programms auch noch durch das Hubschrauber-Museum in Bückeburg zu führen.
Als besonders sehenswert seien hier die originalgetreue Nachbildung des „Focke-Hubschraubers“, des ersten einsatzfähigen Helikopters vom Bremer Professor Focke aus dem Jahre 1936 genannt sowie und die als „Banane“ bezeichnete Boeing-Vertol H-21-C, der zweirotorige Transporthubschrauber mit dem charakteristischen Knick in der Rumpfmitte und dem hochgezogenen Heck. Obwohl das Hubschraubermuseum noch mit vielen weiteren interessanten Exponaten aufwartete und die Reservisten noch weitere Stunden hier hätten zubringen können, drängte die Zeit zur Rückfahrt.
U. Inhülsen, RK Ratingen

