
Die Entwicklung der Luftlandetruppen
Entstehung der
Fallschirmjäger als Waffe
Die Idee, Truppen im Rücken der Front abzusetzen, wurde lange vor
dem Zweiten Weltkrieg geboren: Bereits während des Ersten
Weltkriegs hatte der amerikanische Generalmajor Mitchell die Idee,
eine grossangelegte Luftlandeoperation hinter den deutschen Linien
durchzuführen, um die Front zu durchstossen. Die gesamte 1. (US)
Division („Big Red One“) sollte mit allen verfügbaren Flugzeugen
bei Ypern abgesetzt werden. Die konservative Denkweise führte
allerdings dazu, dass ein solcher spektakulärer Einsatz verschoben
wurde und der Krieg 1918 zu Ende war. Die Idee jedoch lebte weiter
und wurde in verschiedenen Streitkräften mehr oder weniger intensiv
weiterverfolgt.
Mitchell verfasste hierüber ein Buch, Russland hatte bereits 1928 die ersten Fallschirmspringer ausgebildet und der Eindruck von Luftlandemanövern im Jahre 1930 in der Ukraine inspirierte auch die neuentstehenden deutschen Streitkräfte. Während in Russland im Zuge der stalinistischen Säuberungsaktionen die Fallschirmtruppen in Vergessenheit gerieten, griff man in Deutschland diese Idee auf und führte sie sowohl bei der Luftwaffe als auch im Heer konsequent weiter. Parallel wurden Fallschirmjäger, die der Luftwaffe unterstanden und Fallschirm-Infanterie des Heeres geschaffen, die dann später jedoch mit ganzheitlicher Aufgabenstellung zusammengefasst wurden.
Aufgabenbereiche der
Fallschirmjäger
- Umklammerung des Gegners durch luftgelandete Spezialverbände im
Rücken des Gegners
- Unterstützung von amphibischen Landungen
- Kommandounternehmen und Sabotagetrupps
- Schnelle Eingreiftruppe zur Wahrung internationaler Interessen in
einem Krisengebiet (Rapid Deployment Force)
Bewaffnung und
Ausrüstung
Leichte, (halb-)automatische Handwaffen:
Deutschland:
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zunächst Karabiner 98k Kal. 8x57IS, der sich jedoch als zu unhandlich erwies
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Maschinenpistole MP38 und MP40 Kaliber 9mm Para
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Maschinengewehr MG 34, später MG 42 Kaliber 8x57 IS
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Sturmgewehr FG42 Kaliber 8x57 IS mit Magazin
USA:
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Halbautom. Standardgewehr M1 Garand Kaliber .30-06 (7,62mm)
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Kurzgewehr US Carbine Kaliber .30 M1 (7,62mm kurz)
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Maschinenpistole Thompson Kaliber .45 ACP
Grossbritannien:
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Standardkarabiner Enfield Kaliber .303 British (7,62mm)
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Maschinenpistole Sten Kaliber 9mm Para
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US Carbine Kaliber .30 M1 (7,62mm kurz)
Ferner waren die Fallschirmjäger und Luftlandeeinheiten mit Sprengmitteln, Panzerabwehrwaffen (Panzerfaust, Bazooka), luftverlastbaren Geschützen und Fahrzeugen (Jeeps) ausgerüstet. Im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden sie von Transportflugzeugen und Lastenseglern abgesetzt, heute hat der Hubschrauber mehr und mehr diese Funktion übernommen (Luft-Kavallerie). Als Handfeuerwaffen dienen heute verkürzte automatische Sturmgewehre mit Klappschaft.
Fallschirmjäger im Zweiten
Weltkrieg
Die deutsche Fallschirmtruppe entstand aus dem Regiment Hermann
Göring, das nach Erlangung der Wehrhoheit 1935 nicht dem Heer
sondern der Luftwaffe eingegliedert wurde. Dies war der Nucleus der
deutschen Fallschirmjäger, die Jahre später so spektakuläre
Einsatze durchführten wie die Eroberung des belgischen Forts Eben
Emael oder der griechischen Insel Kreta.
Im späteren Kriegsverlauf verlor die deutsche Fallschirmtruppe dann an Bedeutung und wurde zumeist infanteristisch eingesetzt. Die Alliierten Fallschirmtruppen – hier besonders die britischen Parachute Regiments und die amerikanischen 82. und 101. Airborne Divisions – gewannen mehr und mehr an Bedeutung und führten beim Endkampf im Westen Einsätze durch wie die begleitenden Luftlandungen zur Invasion und die Luftlandung von Arnheim 1944. Die letzte und grösste und massivste Luftlandeoperation war das Unternehmen Varsity östlich des Rheins im März 1945, in deren Verlauf innerhalb einer Stunde 14.000 Fallschirmjäger mitsamt Ausrüstung landeten und dessen Ziel die rasche Schliessung des Ruhrkessels nördlich von Wesel war.
Fallschirmjäger nach dem
Zweiten Weltkrieg
Die Bedeutung der Fallschirmjäger war aber mit dem Ende des Zweiten
Weltkrieges lange nicht zu Ende. Bei den Kolonialkriegen nach 1945
spielten sie eine herausragende Rolle, wenn es darum ging, die
Interessen der (noch-) Kolonialmächte Frankreich und England
durchzusetzen. Fallschirmjäger waren die ersten in
Französisch-Indochina, Algerien, Malaysia und in vielen anderen
Gebieten Südostasiens und Afrikas.
Einsatz von Luftlandetruppen
heute
Auch heute noch verbindet sich der Name Luftlandetruppen mit
schneller Verfügbarkeit und universeller Einsetzbarkeit an allen
Orten der Welt. Sie spielten eine wichtige Rolle in den Kriegen der
Nachkriegszeit und sind auch heute im Mittleren Osten und dem
ehemaligen Jugoslawien im Einsatz. Hier sind insbesondere die 82nd
(US) Airborne Division, das britische Parachute Regiment und die
französischen Luftlandeverbände der Fremdenlegion, der
Marineinfanterie und der Fallschirmjäger zu
nennen.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Militärhistorischer Arbeitskreis, RK Ratingen

