
eines Kampf- und Jagdfliegers
Oberst a.D Hajo Herrmann
Auf Initiative des Militärhistorischen Arbeitskreises der RK Ratingen
im VdRBw und der Sektion Düsseldorf-Münster der Deutschen
Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) hielt Oberst a.D. Hajo Herrmann
(links im Bild mit R.W. Göhlert) am 28.02.2002 in der Bergischen
Kaserne in Düsseldorf einen Vortrag über seine persönlichen
Erlebnisse als Kampf- und Jagdflieger 1935 – 1945. Herrmann,
Spanienflieger der Legion Condor, später Spezialist für
Schiffsbekämpfung, danach Geschaderkommodore und
Divisionskommandeur, wurde bekannt als Schöpfer des
Nachtjagdverfahrens “Wilde Sau”. Zehn Jahre liess der Zeitzeuge des
II. Weltkrieges in fast drei Stunden Revue passieren.
Der Leiter des Militärhistorischen Arbeitskreises und der DWT Sektion, Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert, stellte Oberst a.D. Hajo Herrmann mit seinem Lebenslauf vor:
1913 in Kiel geboren, von 1933 bis 1935 Infanterist, dann, im Jahre 1935, wechselte er zur Luftwaffe, um im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1937 Junkers Ju 52 von Marokko nach Spanien zu fliegen. Hier flog er auch seine ersten Einsätze als Bomberpilot. Nach seiner Rückkehr reflektierte er mit anderen Offizieren der Luftwaffe die Erfahrungen aus diesem Krieg.
Herrmann berichtete über seine Erfahrungen und Einsätze als Bomberpilot auf den "mittleren" Bombern Heinkel He 111 und später Junkers Ju 88 im Polenfeldzug und im Krieg mit Großbritannien.
Zu seinen ersten Feindflügen auf Südengland gehörten auch Angriffe auf die India-Docks, die große Themseschleife im Ostteil Londons.
Nachdem durch britische Flächenbombardements erstmals auch zivile Ziele in Deutschland getroffen wurden, bekam auch die dt. Luftwaffe Befehl, die Angriffe auf das gesamte Stadtgebiet Londons auszudehnen. Herrmann schilderte in anschaulicher Weise die Problematik des sich entwickelnden totalen Bombenkrieges in seinen Anfängen und scheute nicht davor zurück, ihn als völkerrechtswidriges Unterfangen zu verurteilen.
Nach einer Reihe von Einsätzen wurde Hajo Herrmann im Oktober 1940 das Ritterkreuz verliehen.
1941 folgte seine Verlegung ins Mittelmeer, wo er zunächst Luftangriffe auf den strategisch wichtigen britischen Flottenstützpunkt Malta flog. In diese Phase fiel ein verheerender Luftangriff auf den griechischen Hafen Piräus, wodurch dieser auf längere Zeit blockiert wurde.
Auch der hohe Norden sah Herrmann, diesmal beim Einsatz gegen alliierte Nachschubkonvois zum russischen Hafen von Murmansk. In diesem Zusammenhang schilderte Herrmann genauestens die Vorkommnisse bei der Bekämpfung des berühmten Geleitzuges PQ 17, auf den auch er von norwegischen Flugplätzen aus mitflog. Herrmann entwickelte sich hier schnell zum Schiffsbekämpfungsspezialisten.
In einer Phase der, wie er es ausdrückte, langweiligen Stabsarbeit in der Nähe von Paris, entwickelte Herrmann seine ungewöhnlichen Gedanken zur Nachtjagd. Das Verhältnis der deutschen Jagdlugzeuge zu den englischen und nach dem Kriegseintritt der USA auch der amerikanischen Produktionsziffern für Bomber ließen ihn aufhorchen. Er ließ nicht locker, seine Vorgesetzten auf dieses krasse Missverhältnis von rechnerisch 15.000 produzierten Nachtbombern zu etwa 1.700 deutschen Nachtjägern hinzuweisen. Aber seine Warnungen fanden kein Gehör. Erst nach dem Aus-breiten der britischen Nachtangriffe auf deutsche Städte und dem Versagen der vereinzelt eingesetzten und vom Boden aus gelenkten Nachtjäger bekam er den Auftrag, sein Nachtjagdverfahren „Wilde Sau“ zu verwirklichen.
Die schwierige Situation der sog. „Reichsverteidigung“ erforderte ungewöhnliche Mittel: Hajo Herrmann stellte das Jagdgeschwader 300 auf, um im „Wilde Sau“ Verfahren weit im deutschen Hinterland über den Bombern diese im Sichtverfahren im Rudel anzugreifen und abzuschießen. Die hierzu eingesetzten einmotorigen Messerschmitt Me 109 waren hierfür speziell ausgerüstet worden und zeigten auf eindrucksvolle Weise ihre Wirkung.
Er pries auch die ME262 als technisch ihrer Zeit vorhereilende Entwicklung an, die gerne geflogen wurde und mit ihrer Schnelligkeit vom damaligen Feind sehr gefürchtet war.
Hajo Herrmann bekam für seine militärischen Erfolge im August 1943 das 269. Eichenlaub und im Januar 1944 die 43. Schwerter verliehen, eine der höchsten deutschen Auszeichnungen.
Die militärischen Leistungen dieses hochdekorierten und von Freund und Feind geachteten Soldaten steht nicht im Gegensatz zu einer verantwortungsbewussten Rechtsphilosophie des Vortragenden, seiner Abscheu gegenüber dem Blutvergiessen der Zivilbevölkerung und der Achtung des Kriegsvölkerrechtes; dies stellte Herrmann mehrfach heraus und fand auch mahnende Worte.
Von Mai 1945 an, dies erwähnte Herrmann nebenher, befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft, aus der er mit den letzten der Kriegsgefangenen am 12. Oktober 1955 zurückkehrte.
Sein Gerechtigkeitssinn führte nach der russischen Gefangenschaft in Deutschland zu einem Jurastudium und zur Niederlassung als Rechtsanwalt 1965 in Düsseldorf.
Hajo Herrmann hielt mit seinen fast 90 Jahren die Zuhörer mit seinen Schilderungen fast drei Stunden in Atem. Ralph W. Göhlert dankte dem Referenten für den sicherlich anstrengenden Vortrag, der mit übermäßigem Beifall seinen Abschluß fand.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert, Sektionsleiter
Robert Neber, Pressebeauftragter, VdRBw
Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V., Sektion
Düsseldorf-Münster
Militärhistorischer Arbeitskreis der RK Ratingen im
Reservistenverband
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