Neues Aufgabenspektrum - neue Waffen?

Einblick und Ausblick der neuen Waffen- und Munitionstechnik der Bundeswehr

Unter diesem Motto fand kürzlich eine abendfüllende Veranstaltung der Sektion Düsseldorf-Münster der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) zusammen mit der Reservistenkameradschaft Ratingen im Reservistenverband VdRBw in der Bergischen Kaserne in Düsseldorf statt. Oberstleutnant Joachim Kocherscheidt, derzeit Kommandant des Truppenübungsplatzes Klietz, gewährte einen fachmännischen Einblick in Waffentechnologie von Infanteriewaffen des Heeres und gab gleichzeitig einen Ausblick auf die neuen Waffen- und Munitionstechniken der Bundeswehr. Kocherscheidt ist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Feuerwerker mit Kampfmitteln, Munition sowie Waffentechnik hierzu prädestiniert, zumal er auch auf auf mehrere internationale Einsätze z.B. als EOD-Coordinator beim UN Mine Actions Center in Sarajewo, als stellvertretender DDO beim HQ KFOR Pristina sowie als InstStOffz Mun/EOD beim deutschen Einsatzkontingent ISAF in Kabul, Afghanistan zurückblicken kann.

Einleitend führte der Leiter der DWT-Sektion Düsseldorf-Münstern und des Militärhistorischen Arbeitskreises der RK Ratingen, Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert, einen historischen Überblick der Entwicklung der Infateriewaffen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch. Angefangen mit den Mauser-Gewehren, die nicht nur in Deutschland, sondern international weit verbreitet zum Einsatz kamen ging Göhlert auch auf die Vielzahl der in Europa und USA entwickelten Kaliber und Repetiersysteme ein. Eine Besonderheit lag darin, dass Kocherscheidt und Göhlert Anschauungsobkjekte mit zu der Veranstaltung brachten, um den Teilnehmern „zum Greifen nahe“ Waffen mehrerer Epochen zu präsentieren. Göhlert ging insbesondere auf die Meilensteine der Infanteriewaffen im Ersten sowie Zweiten Weltkrieg als auch in den nachfolgenden Kriegen Korea, Indochina, Vietnam ein und leitete dann direkt zu den bekannten internationalen Waffensystemen Kalaschnikow (AK 47 und Ableitungen) und Eugene Stoner (AR 15, M 16, M4) über. Aufgrund seiner langjährigen Arbeit als Militärhistoriker und seiner Kenntnis in der Waffentechnik legte Göhlert besonderen Wert auf den Praxisbezug seiner Darstellungen anhand von Beispielen aus der Praxis.

Im Anschluss präsentierte Oberstleutnant Kocherscheidt dann die Waffentechnik der Bundeswehr in der Gegenwart. Angefangen mit dem Heckler & Koch System G36 und dem Scharfschützengewehr G22 von Accuracy aus Grossbritannien leitete er die Übersicht kontemporärer Entwuicklungen ein. Ausgangspunkt waren die Erfordernisse, nicht nur die organisatorischen Strukturen der Bundeswehr sondern auch die verwandte Waffentechnik den neuen Erfordernissen des erweiterten Aufgabenspektrums anzupassen. Das neue Sturmgewehr G36 mit der NATO Patrone 5,56 x 45 (.223“ Remington) hat bereits weigehend das altbekannte System 7,62 x 51 abgelöst. Aber es sind nicht nur neue Sturmgewehre, die den Infanteristen der Zukunft ausmachen. Kocherscheidt sprach von der Nutzung neuer Waffen- und munitionstechnologie im grösseren Rahmen, der Behandlung von Soldaten als Waffensystem sowie einem modularen Aufbau solcher modernen und komplexen Waffen- und Schutzsysteme. Hierbei gab Kocherscheidt viele Beispiele aus seiner langjährigen Praxis in internationalen Krisengebieten, um die Bedrohungsszenarien als Basis für diverse Entwicklungen und neue Lösungsansätze zur Steigerung der zukunftsgerichteten Waffentechnik im erweiterten Aufgabenbereich der Bundeswehr zu diskutieren. Dabei machte Kocherscheidt auch vor brechtigter Kritik nicht halt, wenn um die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und die Praxistauglichkeit von Systemen ging.

Trotz des noch winterlichen Wetters war diese Veranstaltung gut besucht und zeigte einmal wieder das Interesse an historischer und aktueller Waffentechnik. Zum Abschluss dankte Göhlert Oberstleutnant Kocherscheidt für seine Ausführungen und die Bereitschaft, zum zweiten Male innerhalb eines halben Jahres zu einem aktuellen und interessanten Thema in Düsseldorf zu refererieren. Sein letzter Vortrag war über seine Erfahrungen als InstStOffz Mun / EOD beim deutschen Einsatzkontingent ISAF in Kabul.

Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Arbeitskreis Militärhistorie, RK Ratingen