

Fox Green hiess im amerikanischen Landeplan das Strandstück vor Widerstandsnest 62. Zwei Sturmkompanien des 16. US Infanterieregimentes sollten hier im Handstreich Fuss fassen. Sie waren in dem festen Glauben von ihrem Landungsschiff ins Wasser gesprungen, dass am Strand kein deutsches Geschütz mehr heil sei, dass kein MG mehr schiessen würde, dass kein Grenadier mehr hinter seinem Karabiner läge.
Hein Severloh, 21 Jahre alt, war kein Soldat aus Leidenschaft. Er hatte sich noch nie um Heldentaten gerissen. Jetzt aber musste er schiessen. Und er schoss. Als das MG 42 die erste Gruppe ins Wasser mähte, verblutete die Hoffnung der Amerikaner, an dieser Stelle zu einem schnellen Erfolg zu kommen. Die Ebbe stand. Das Wasser lief nicht mehr ab, deshalb blieben die Toten im flachen Wasser liegen, die Verwundeten krochen hinter sie und suchten Schutz vor den MG Garben. Wer trotz des fürchterlichen Abwehrfeuers bis auf den trockenen Strand kam, drückte sich schnell in eine Sandmulde, um Schutz zu finden. Darauf lag jetzt das Sperrfeuer der 10,5 cm Haubitzen aus Houtteville. Bis 08:00 Uhr hatte noch kein amerikanischer Soldat den Dünenfuss vor WN62 erreicht. Und wie hier, im Abschnitt Fox Green, so war es auch westlich von Colleville, im Raum Vierville, auf dem Streifen, der in den Karten der Amerikaner als Dog Green verzeichnet stand.
Die deutsche Artillerie schoss Salvenfeuer bis die Munition knapp wurde. Ein weiterer, entscheidender Fehler der deutschen Invasionsabwehr: Mangelnder Einsatz der Artillerie.
12.000 Schuss hatte Hein Severloh bis Mittag aus seinem MG gefeuert. Unten am Strand lagen die Toten. Die Rote 1 an ihren Uniformen, Zeichen der 1. US Division. Aber WN 62 sah bereits böse aus: Die Schiffsartillerie hatte die Granatwerfer zerschlagen, die Gräben eingeebnet, die Infanteristen dezimiert. Jetzt kamen die Amerikaner mit grossen Prähmen, auf denen .50“ MG Lafetten und Panzer standen. Als der erste US Panzer an Land war, begann der Landkampf am Widerstandsnest 62. Und dieser Kampf Mann gegen Panzer konnte nicht lange dauern. Das MG bekam einen Treffer, Hein Severloh bekam Splitter ins Gesicht. Die Zerstörer auf See schossen unentwegt auf die letzten intakten Stellungen. Die Nachbarstützpunkte WN61 und WN 59 feuerten auch nicht mehr. Nach dem Verschiessen der letzten Munition wurde der Befehl zum Absetzen gegeben. Im Feuerhagel von Schiffsartillerie und Panzern kein leichtes Unterfangen. Damit war der Kampf um das Widerstandsnest WN 62 beendet.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Arbeistkreis Militärhistorie, RK Ratingen

