
Siege und Untergang des
Deutschen Afrikakorps
1941 - 1943

Die Rolle des Mittelmeerschauplatzes im Zusammenhang des Zweiten Weltkrieges ist in den Darstellungen oftmals nicht richtig charakterisiert. Weder darf man diesen Kriegsschauplatz als bloßen "Nebenkriegsschauplatz" abwerten noch ihn als vollgültige Alternative zum Ostkrieg, zur alliierten Invasion in Nordfrankreich eine allzu hohe Bedeutung zuschreiben. Die Wahrheit liegt, wie so oft in der Mitte. Der deutsche Achsenpartner Italien war dabei mit seinem Kriegseintritt am 10.06.1940 der Auslöser. Der nach der Devise Mussolinis geführten Parallelkrieg südlich der Alpen spielte zunächst nur eine Randrolle und wurde erst nach den ersten schweren Niederlagen des italienischen Heeres und der italienischen Marine mit in die strategischen Erwägungen und Planungen der deutschen Führung einbezogen. Dieses führte zu einem Zug um Zug erweiterten militärischen Engagement Deutschlands bis hin zur federführenden (quasi alleinigen) Kriegführung.
Für Hitler war Nordafrika ein Nebenkriegsschauplatz, in den er durch die italienische Katastrophe gezwungen wurde, um den Bundesgenossen Italien nicht von England besiegen zu lassen und bei der Stange zu halten. Führerweisung vom 11. Januar 1941: " Die Lage im Mittelmeer erfordert aus strategischen, politischen und psychologischen Gründen deutsche Hilfeleistung. Tripolitanien muß behauptet werden." Trotz dieser so entschlossen klingenden Entscheidung darf man nicht übersehen, daß Hitler in Nordafrika nur an Verteidigungsmaßnahmen dachte. Seiner Meinung nach bestand keine Hoffnung, den Mittelmeerraum zu kriegsentscheidenden Aktionen zu nutzen. Der Krieg in Nordafrika kann in folgende verschiedene Operationsphasen eingeteilt werden:>
Italienische Offensive nach Sidi Barrani
September'40
Im Juni'40 betrug die Stärke der
italienischen Streitkräfte in Nordafrika 9 reguläre Divisionen, 3
Divisionen Schwarzhemden, 2 Eingeborenendivisionen, zusammen
250.000 Mann. Ihnen gegenüber standen 36.000 britische Soldaten in
Ägypten und 27.000 in Palästina. Am 13. Sepember'40 rückten die
Italiener auf Sidi Barrani vor und befestigten es.
Wavells Offensive nach El Agheila
Dezember'40-Februar'41
Die Briten griffen am 9.
Dezember'40 an mit dem Ziel, Sidi Barrani zurückzuerobern. Nach
kurzen Kämpfen, bei denen Italien fast 8 Divisionen verlor, stießen
die Briten in schnellem Vorstoß bis nach El Agheila vor. Damit war
fast 2/3 italienisch Libyens unter britischer Kontrolle.
Britischer Angriff in Abessinien (Äthiopien)
Januar-November'41
Nachdem Frankreich kapituliert hatte,
konnte Mussolini den Versuch wagen, mit seinen Armeen in Afrika die
Briten aus ihren afrikanischen Kolonien zu vertreiben und so die
Kontrolle über das Mittelmeer und die Suez Route nach dem Fernen
Osten zu erreichen. Italien verfügte in Äthiopien über 350.000
Mann, denen 21.500 Mann britische Truppen gegenüberstanden, davon
9.000 im Sudan, 8.500 in Kenia, 2.500 in Aden und 1.500 in Brit.
Somaliland. Der Krieg in Ostafrika begann mit der Eroberung von
Brit. Somaliland im August 1941. Daraufhin drangen brit.
Truppen vom Sudan unter Gen. Platts sowie von Kenia unter
Gen. Cunningham unterstützt von einer kleinen Kampfgruppe aus Aden
nach Abessinien vor. Der letzte italienische Widerstand endete bam
27. November'41.
Rommels erste Offensive durch die Cyrenaika
März-Mai'41
Rommel traf am 12. Februar'41 in Tripolis
ein, einen Tag nach der Landung der ersten deutschen Truppen.
Rommels Aufklärungsvorstoß begann am 24. März'41. Die durch den
Abzug nach Griechenland geschwächten brit. Truppen mußten sich
immer weiter zurückziehen. Es gelang trotz heftiger Angriffe nicht,
Tobruk zu erobern, so stießen die dt. Truppen daran vorbei bis zum
Halfaya Paß bei Sollum, wo sie durch heftige Gegenwehr zum halten
gebracht wurde.
Sollum Schlacht (Sollum, Fort Capuzzo, Halfaya
Paß) Juni'41
Gestärkt durch die Ankunft des
“Tiger” Geleitzuges mit 238 Panzern war Wavell in der Lage,
eine neue Offensive zu beginnen (Unternehmen "Battleaxe").
Der britische Plan sah vor, den Halfaya Paß frontal anzugreifen
während eine verstärkte Panzerbrigade über die Wüstenflanken auf
Fort Capuzzo und Sollum vorgehen sollte. Der Angriff glückte nicht,
obwohl der Paß kurzzeitig besetzt worden war, und die Briten zogen
sich zurück.
Auchinlecks Offensive
November-Dezember'41
Gen. Auchinleck löste daraufhin
Wavell ab und griff am 18. November'41 an (Unternehmen "Crusader"). Nach vergeblichen Gegenangriffen und um nicht
in Bengasi abgeschnitten zu werden zog sich Rommel am 31.
Dezember'41 auf El Agheila zurück. Bei den Kämpfen verloren die
Achsentruppen etwa 33.000 Mann gegenüber 18.000 der Briten. Am 17.
Januar'42 kapitulierten die letzten abgeschnittenen
deutsch-italienischen Truppen am Halfaya Paß.
Rommels 2. Offensive durch die Cyrenaika nach
Ghasala Januar-Februar'42
Nachdem die Briten Rommel bis El
Agheila zurückgedrängt hatten, glaubten sie, er sei für einige Zeit
handlungsunfähig und zogen deshalb ihre Truppen zurück, um sie neu
auszurüsten. Der Nachschub lief zu dieser Zeit durch heftige
Luftangriffe auf Malta recht gut und so wurden die Truppen der
Achse wieder voll kampffähig. Rommel ergriff erneut die Initiative
und rückte auf Bengasi und schließlich bis Ghasala vor.
Der deutsche Vorstoß auf El Alamein
Mai-Juni'42
Am Nachmittag des 26. Mai'42 begann der
Angriff der Gruppe Crüwell und in der Nacht stieß Rommel um Bir
Hacheim vor. Eingeschlossen im sog. “Wurstkessel” bei Sidi
Muftah stieß Rommel in südlicher und dann östlicher Richtung vor.
Nach und nach brachen sich die britischen Gegenangriffe in der
überlegenen Feuerkraft des Afrikakorps und die brit. 8. Armee mußte
die Ghazala Stellung aufgeben. Am 18. Juni'42 war Tobruk von
Achsentruppen eingeschlossen, das am 21. kapitulierte.
Nach dem Fall von Tobruk versuchte sich die brit. 8. Armee an der ägyptischen Grenze neu zu formieren. und zog sich auf Marsa Matruh zurück. Die Briten hatten gegenüber 3.360 deutschen Gefallenen über 50.000 Mann verloren sowie fast alle Panzer. Obwohl noch geschwächt, griffen die Achsentruppen mit 70 Panzern am 26. Juni'42 an und drangen fast bis El Alamein vor.
Die erste Schlacht von El Alamein
Juni-Juli'42
Mit nur 2 voll einsatzfähigen Infanterie und
einer noch im Aufbau befindlichen Panzerdivision ging
Auchinleck daran, El Alamein zu verteidigen. Rommels Plan war, mit
der Panzerarmee Afrika hier durchzubrechen und bis zum Nildelta
vorzustoßen. Die Achsentruppen standen in einem Bogen vom Meer bis
südlich des Ruweissat Rückens. Rommel hatte dabei so schwere
Verluste, daß er die Operation abbrach und seine Truppen neu
formierte. Da Auchinleck es in dieser Situation für vordringlich
hielt, seine Truppen wieder zu verstärken und sich weigerte, erneut
anzugreifen, wurde er von Churchill durch Gen. Alexander als OB
Mittelost abgelöst, Montgomery übernahm die 8. Armee.
Die Schlacht von Alam Halfa
August-September'42
17 Tage nach Montgomerys Ankunft
unternahm Rommel den letzten Versuch, die Verteidigungsstellungen
von El Alamein zu durchbrechen. Es gelang jedoch nicht, die Alam
Halfa Stellungen zu durchbrechen und die Achsentruppen gruben sich
ein in einer tief gestaffelten Verteidigungsstellung zwischen dem
Meer und der Qattara Senke. Durch Fahrzeugausfall und
Treibstoffmangel konnte nicht weiter beweglich operiert werden und
diese Stellung wurde zäh verteidigt.
Die Schlacht von El Alamein
Oktober-November'42
Montgomery griff seinerseits erst an,
als er Rommel an Kampfkraft, insbes. Flugzeugen und Panzern aus den
USA, spürbar überlegen war. Nach schweren Gefechten und erfolglosen
dt. Gegenangriffen und Nachschubproblemen setzte sich Rommel über
Hitlers Durchhalteweisung weg und ordnete am 4. November'42
den Rückzug an.
Landung alliierter Truppen in Französisch
Nordafrika November'42
Die Landung amerikanischer und
britischer Truppen in Französisch Nordafrika erfolgte am 8.
November'42, vier Tage nach Rommels Rückzug von El Alamein.
Entgegen den alliierten Erwartungen leisteten die französischen
Truppen vereinzelt Widerstand, in Oran kam es zu heftigen Kämpfen.
und in Algier gingen 2 Zerstörer verloren. Am 9. November'42
einigte man sich auf eine Feuereinstellung. Seit dem 9. November'42
trafen in Tunesien dt. Truppen ein, die Rommels Rückzug decken
sollten und nun vordrangen, um eine Verteidigungsstellung
auszubauen und der alliierte Vormarsch konnte aufgehalten
werden.
Dt. Rückzug von El Alamein bis zur Mareth Linie
November'42-Februar'43
In den ersten drei Wochen ihres
Vormarsches von El Alamein nach Westen wurde die 8. brit. Armee
zwar durch schwere Regenfälle behindert, traf ansonsten jedoch nur
noch auf wenig Widerstand. Rommels Truppen befanden sich in einem
zu schlechten Zustand, um angreifen zu können.
Verteidigungsstellungen bei El Agheila und Buerat mußten
nacheinander aufgegeben werden. Montgomery nahm am 23. Jan'43
Tripolis ein, wurde aber durch Nachschubschwierigkeiten
aufgehalten, bis er am 4. Feb'43 die Grenze nach Tunesien
überschritt.

Eingang zum Kasserine-Pass, der von den
Amerikanern 2 Tage lang hartnäckig verteidigt wurde, ehe dem
Deutschen Afrikakorps der Durchbruch Richtung Tebessa gelang.
(Foto: Günther Pieper, Militärhistorischer
Arbeitskreis)
Die Schlacht von Kasserine
Februar'43
Anfang Feb'43 hatte sich der Großteil von
Rommels Truppen hinter die Mareth Linie zurückgezogen. Da die brit.
8. Armee durch Nachschubprobleme immer noch geschwächt war, griff
Rommel die Alliierte 1. Armee Richtung Algerien an. Die Operationen
begannen am 14. Feb'43. Nach heftigen Kämpfen erreichte Rommel
Kasserine und ging weiter vor. Am 24. Feb'43 brach er nach heftigen
Kämpfen unter starkem Gegendruck den Angriff ab und befahl den
Rückzug. Gegenüber den Verlusten der Achse in Höhe von 2.000 Mann
hatten die Alliierten 10.000 verloren, davon allein das II. US
Korps fast 4.000.
Der Durchbruch an der Mareth Linie
März'43
Nachdem sich Rommel von Kasserine zurückgezogen
hatte, bereitete ers sich auf den Kampf gegen die 8. brit. Armee
vor., die ihrerseits zum Sturmangriff auf die Mareth Linie
ansetzte. Montgomerys Taktik war, jeden dt. Angriff mit überlegener
Artillerie abzuwehren und seine Panzer erst dann einzusetzen, wenn
ein Durchbruch der Achsen Truppen drohte. Am 6. Mar'43 griff Rommel
auf breiter Front an, blieb jedoch im brit. Abwehrfeuer stecken.
Als von 150 Panzern 50 vernichtet waren, wurde der Angriff
abgebrochen. Mit überlegenen Kräften durchbrach Montgomery die
Mareth Linie nach einem Kampf von ungewöhnlicher Härte. Montgomery
stellte ganz besonders in dieser Schlacht seine taktischen
Fähigkeiten während für Rommel dieses die letzte Schlacht in Afrika
war, bevor er zurückbeordert wurde.
Endkämpfe in Tunesien bis zur Kapitulation
April-Mai'43
Ende Apr'43 waren die Achsentruppen auf
einer Linie zurückgedrängt, die auf den Hügeln entlang lief, die
die Küstenebene um Biserta und Tunis umgeben. An dieser Front
standen 19. alliierte Divisionen mit etwa 1.200 Panzern und 1.500
Geschützen bei absoluter Luftüberlegenheit 13 geschwächten
Divisionen der Achse mit 300 Geschützen und nur 48 Panzern
gegenüber. Nach schweren Kämpfen legten am 12./13. Mai'43 250.415
Deutsche und Italiener die Waffen nieder.
Durch den Krieg in Nordafrika verzeichneten die beteiligten Armee an Gefallenen: 18.594 Deutsche, 13.748 Italiener, 35.476 Briten und Commonwealth, 16.500 Amerikaner, d.h. der Krieg forderte einschl. Franzosen ca. 100.000 Tote. Hier sind die bei den Kämpfen getöteten Tunesier noch nicht einmal eingerechnet, weil keine verlässlichen Zahlen vorliegen. Man rechnet aber, dass über 50.000 tunesische Zivilisten bei den Endkämpfen ums Leben kamen, vornehmlich durch alliierte Artillerieeinwirkung und Bombenangriffe auf Siedlungen im Zusammenhang mit Kampfhandlungen.

39 km von Kasserine endete der Angriff des
Deutschen Afrikakorps an der Passenge am Djebel Hamra im schweren
Abwehrfeuer und unter rollenden Luftangriffen der Amerikaner, über
deren reichhaltige Ausstattung an Kriegsmaterial Rommel sehr
beeindruckt war. So unauffällig zogen sich die Deutschen zurück,
nicht ohne genügend Mionensperren anzulegen, dass die Amerikaner es
erst 24 Stunden später bemerkten.
(Foto: Günther Pieper, Militärhistorischer
Arbeitskreis)
Fazit
Die deutsche Kriegführung
in Nordafrika litt vor allem unter der Tatsache, dass Afrika für
Grossbritannien nach dem Juni 1940 der Hauptkriegschauplatz zu
Lande geworden war. Für Deutschland war Nordafrika nur ein
Nebenkriegschauplatz, dem es aufgrund der Lage im Osten nur geringe
Unterstützung gewähren konnte.
Auch fehlte ein einheitlich und straff führender Oberbefehlshaber für den gesamten Mittelmeerrau, der von erheblicher strategischer Bedeutung war, da man nur hier Grossbritannien treffen und schlagen konnte. Dadurch mangelte es an guter Koordinierung der überaus zahlreichen Aufgaben und Dienststellen beider Achsenmächte. Die aussergewöhnlichen Nachschubschwierigkeiten, die durch die mangelnde See- und Luftherrschaft über dem Mittelmeer bedingt waren, sind fast niemals überwunden worden. Der Nachschub war in Afrika das Kernproblem aller Überlegungen. Daher war es ein schwerer Fehler gewesen, Malta nicht auszuschalten.
Die Verluste an Flugzeugen, Schiffen, Menschen und Nachschubgütern aller Art auf dem Mittelmeer waren auf Dauer nicht tragbar. Die Wegstrecken von den Häfen zur Truppe waren ungewöhnlich lang. Diese Transporte litten unter Zeitbedarf, Treibstoffverbrauch und Feindeinwirkungen aus der Luft.
Im Gegensatz dazu lief der britische Nachschub nahezu ungehindert südlich um Afrika nach Suez. Erst die Hilfeleistungen von Grossgerät durch die Amerikaner ermöglichten die Grossoffensiven, die schliesslich im Zusammenwirken mit der Landung amerikanischer Truppen in Marokko und Algerien das Schicksal der Achsenmächte in Nordafrika besiegelte.
Dipl.-oec. Ralph W. Göhlert , Arbeitskreis Militärhistorie, RK Ratingen

